ZAEHLER
Gö.Kr.B.Historisch

Der Streckenplan der Görlitzer Kreisbahn (Gö.Kr.B.)

mit den einzelnen Bahnhöfen und Haltestellen.

(Fotos werden durch anklicken mit der Maus auf den roten Punkten angezeigt)

Streckenplan_Kopie

Strecken- kilometer

Bahnhof/Haltestelle

Eröffnung Pv / Gv

Stillegung

Fotos

15,4

31.07.1895 Weißenberg
01.07.1911 Weißenberg (Sa)
22.12.1933 Weißenberg (Sachs)

31.07.1895 Löbau-Weißenberg
10.11.1903 Baruth-Weißenberg

27.05.1972

26,7

Weißenberg Klbf
Weißenberg (Sachs) Klbf
1939 Weißenberg (Sachs) Süd

17.12.1913 / 17.12.1913

30.09.1972

22,0

Hst.Krischa-Tetta
1935 Hst.Buchholz

31.05.1905 / 31.05.1905

30.09.1972

18,6

Hst.Döbschütz

31.05.1905 / 31.05.1905

30.09.1972

16,9

Hst.Arnsdorf

31.05.1905 / 31.05.1905

30.09.1972

15,9

Hst.Hilbersdorf

31.05.1905 / 31.05.1905

30.09.1972

11,4

Bf.Königshain-Hochstein

20.03.1905 / 31.05.1905

22.05.1993

9,5

Hst.Nieder-Königshain

20.03.1905 / 31.05.1905

22.05.1993

8,2

Hp.Königshain-Liebstein

20.03.1905 / 31.05.1905

22.05.1993

5,3

Hst.Ebersbach

20.03.1905 / 31.05.1905

22.05.1993

0,0

Bf.Görlitz-West
(Rauschwalder Str.)

20.03.1905 / 31.05.1905

22.05.1993

 

Hbf.Görlitz (ab 1948)

01.07.1948

22.05.1993

 

Entstehungsgeschichte der Görlitzer Kreisbahn

Im Zuge des allgemeinen Wirtschaftsaufschwunges Ende des 19.Jahrhunderts  entwickelten sich auch die westlich von Görlitz um Königshain gelegenen Granitsteinbrüche, in denen seit 1770 der Abbau erfolgte, weiter. Der Bedarf an Granit für Brückenbau, Straßenpflasterung und Gebäudefundamente nahm stark zu. Jedoch war der Transport mit Pferdefuhrwerken teuer, umständlich und vor allem territorial  beschränkt. Für die in der Landwirtschaft  erzeugten und benötigten Produkte stand das Problem gleichermaßen.
Auch  der Verkehr nach Görlitz zu den Verwaltungsstellen, zur Industrie als  Arbeitsstelle und zum Handel,  nahmen ständig zu.
Deshalb war es nicht  verwunderlich, daß bereits 1888 erstmalig von den Steinbruchbesitzern Eingaben zu einem Bahnbau erfolgten.
Bis zum Baubeginn am 1.Dezember 1903 mußten jedoch viele Hindernisse Überwunden werden. Auf Grund der vielen Gesichtspunkte, wie kürzester Anschluß zu Staatsbahnen, Berücksichtigung der Intressen von Steinbruchbesitzern, der Bauern und der Stadt Görlitz, sowie technische Belange der Trassenführung, standen mehrere Linienführungen zur Diskussion.

Schließlich entschied man sich jedoch für eine Strecke Görlitz-Weißenberg. Da die Bausumme, veranschlagt von der Firma Lenz & Co., 2.11400 Mark betrug, mußte eine Aktiengesellschaft gegründet werden, um Mittel aufzubringen. So entsatnd am 20.Juli 1903 die Görlitzer Kreisbahn AG€. Die genannte Summe galt  aber nur für den Bau bis Krischa-Tetta (zuletzt Buchholz), da die letzten 4,6km auf  sächsischem Gebiet verlaufen und dafür von Preußen kein Geld genehmigt  wurde. Außerdem war in Sachsen der Bau normalspuriger Privatbahnen nicht gestattet. Nach 18 Monaten Bauzeit kann am 12.03.1905 die landespolizeiliche Abnahme der Teilstrecke bis Königshain vollzogen werden.

Ab 20.03.1905  wird auf dieser Strecke der Güterverkehr aufgenommen. Am 27.05.1905  findet auch die baupolizeiliche  Abnahme der restlichen Strecke bis  Krischa-Tetta statt. Den Personenverkehr eröffnet am 31.05.1905 ein  Sonderzug mit geladenen Gästen. Die Verhandlungen mit Sachsen ergaben, daß zum 17.Dezember 1913 die Strecke bis  Weißenberg ebenfalls fertiggestellt werden  konnte. Im selben Zeitraum wurden auch die Industrieanschlüsse im  Bereich der Rauschwalder Straße, der Cottbuser Straße und An der weißen  Mauer für 12 Betriebe geschaffen.

In den zwanziger Jahren ist die Gö.Kr.B.  starkem Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Lastautos, mit denen Kunden frei  Haus beliefert werden, nehmen stark zu. Auch der Kraftverkehr Görlitz  vergrößert seinen Wirkungsbereich und  wird zur ernsthaften Konkurrenz. 1929 erwägt Lenz & Co den Betrieb eigener Autolinien. (damals wie heute-das  gleiche Problem der Bahn.) Haupttransportgüter sind zu 60% Steine aus  den Granitsteinbrüchen bei Arnsdorf  und Hilbersdorf. Die Steinbruchfirma Rudolph transportiert mit einer eigenen 600mm-spurigen Werkbahn die  Granitsteine zu dem Bahnhof Königshain-Hochstein. Dort werden die Steine in Regelspurwagen der Gö.Kr.B. umgeladen.  Sogar gewaltige Einzelsteine für Hafen- und  Schleusenanlagen, speziell für den Leuchtturm von Kap Arkona, werden  über die Gö.Kr.B. abgefahren. Daneben werden land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse nach Görlitz  transportiert, unter anderem jährlich 20-30  Waggons Holz ab Königshain und Hilbersdorf. Jahrzentelang sorgte die  Gö.Kr.B. für den Zeitungsvertrieb auf das Land und den Milchkannentransport  zur Görlitzer Molkerei.

Die Erweiterung bis Weißenberg/Sachsen

Die Umgestaltungen der Gleisanlagen am Bf  Görlitz zwischen 1907 und 1915 bleiben nicht ohne Auswirkung auf die  GöKrB.
Am 01.11.1909 wird der Betrieb auf dem Verschiebebahnhof  Schlauroth aufgenommen. Auf dem ehemaligen  Staatsbahngelände entsteht 1912 das  Empfangsgebäude für die Gö.Kr.B. Inzwischen hatten ja auch die  Verhandlungen mit Sachsen zu dem Erfolg geführt, daß bis 1913 die  restliche Strecke von 5,1km bis Weißenberg verlängert  wird. Nachdem der Bau einer eisernen  Bogenbrücke Über die Löbau und der Durchstich eines Kiesberges bei  Wasserkretscham erfolgt sind, wird die Strecke nach elf-monatiger Bauzeit am
12.10.1913 landespolizeilich auf dem  sächsischen und einem Tag später auf dem  preußischen Teil abgenommen. Am 16.12.1913 verkehrte ein erster  Sonderzug. Am Folgetag wurde dann der reguläre Betrieb aufgenommen.  Damit hat die Stadt Weißenberg ihren  dritten Bahnanschluß (31.07.1895  Löbau-Weißenberg, 10.11.1903 Baruth-Weißenberg). Die mehrfach  diskutierte Übernahme durch die Reichsbahn scheiterte an den zu hohen  Kosten für eine Nachrüstung mit den Standarts der  Staatsbahn. Als Privatbahn hingegen gilt die Gö.Kr.B. als die bestgeführte Kleinbahn im Rbd-Bezirk Breslau.

Nach dem zweiten Weltkrieg, am 18.07.1945, wurde abermals bei der Rbd  Dresden wegen einer Übernahme der Gö.Kr.B.  verhandelt. Da die Reichsbahn eigene Sorgen  hat und das Geld knapp ist, lehnt die DR ab. Am 19.09.1945 faßte die  Gefolgschaft den Beschluß, bei der Rbd Dresden die Verstaatlichung zu  beantragen. Ab 13.02.1946 übt der  Reichsbahnbevollmächtigte für Bahnaufsicht  in Cottbus die Kontrolle aus, ohne daß eine Änderung in den  Besitzverhältnissen eintritt. Am 31.06.1946 weist sich Hugo Wagener als  Bevollmächtigter der Landesverwaltung  Sachsen, Amt für Betriebserneuerung im  Ressort Wirtschaft und Arbeit, aus und erklärt Vorstand, Aufsichtsrat  und Aktiengesellschaft als aufgelöst. Als jetzt landeseigene Bahn  untersteht die Gö.Kr.B. ab 01.01.1947der  Deutschen Zentralverwaltung für Verkehr und  wird bereits von der Rbd Dresden verwaltet. Die tatsächliche Übernahme  der Deutschen Reichsbahn erfolgt erst am 11.05.1948. Mit der Neuordnung  der Rbd-Bezirke 1955 gehört die  Gö.Kr.B. nun zur Rbd Cottbus.

20 Jahre verkehren die Kreisbahnzüge (DR Kursbuchstrecke 242) noch bis  Weißenberg. Die zunehmende Motorisierung  läßt die Fahrgastzahlen schrumpfen. Als dann noch die Arnsdorfer und Hilbersdorfer Steinbrüche  den Abbau einstellen, beschließt die Rbd  Cottbus die Einstellung, zunächst  bis Königshain-Hochstein. Am 30.09.1972 gibt der Fahrdienstleiter Tittel in Weißenberg den letzten Abfahrauftrag für den P 3814 (ab 17.56 Uhr) nach Görlitz. Bereits schon seit dem vorigen  Fahrplanwechsel am 27.05.1972  verkehrten die letzten Reisezüge zwischen  Löbau und Radibor vom Bahnhof in Weißenberg.  Somit ist Weißenberg nach  77 Jahren wieder ohne Eisenbahnanschluß. Den Personenverkehr übernimmt  der VEB Kraftverkehr.

Verkehrsträgerwechsel Seite1 klein

Verkehrsträgerwechsel Seite2 klein

Der Ausbau der Gleise im Bahnhof Weißenberg erfolgte zwischen dem 05.03. und 15.03.1973. Der Rückbau des Streckengleises bis Königshain-Hochstein erfolgt im März 1974.

Der restlichen Strecke der Görlitzer Kreisbahn, von Görlitz bis Königshain-Hochstein, wo zuletzt noch Personenverkehr stattfand, hat die Wende ein schnelles Ende bereitet.
Der letzte Zug (P 4141) verließ am 22.05.1993 den Bahnhof Königshain-Hochstein in Richtung Görlitz.

Einzelne Textauszüge stammen aus dem MEB 11/68, von Herrn S.Brogsitter.

zugschluss
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